Am Samstag wollten wir dann eigentlich nach Denver, Colorado fahren, aber ungluecklicherweise hatte das Wetter da etwas Anderes im Plan. Es hatte die ganze Nacht ueber geschneit und Highways und Interstates waren geschlossen, dadurch konnten wir aus diesem Ort hier nicht raus. Wir haben den Tag also mit Filmen und zahlreichen Spielen verbracht. Zwei davon moechte ich hier mal beschreiben, weil ich sie sonst bestimmt vergesse. Es sind zwei verschiedene Arten von “Wrestling”, bei denen man versucht den anderen duch Koerperkraft hochzuheben oder umzustossen (was bei Lucas ja nicht so schwer ist, bei seinen Gastbrueder aber nicht gerade leicht).
Das erste nennt sich “Leg-Wrestling” und dazu legen sich beide auf den Boden, strecken das jeweils rechte Bein nach oben und nach einem Zeichen versuchen, beim anderen einzuhaken und ihm auf seine Seite zu ziehen.
Fuer das zweite braucht man einen langen Holzstab (Besenstiel), man setzt sich gegenueber hin und haelt mit beiden Haenden den Besenstiel fest. Anschliessend versucht man durch Ziehen den anderen aufzurichten und auf seine Seite zu ziehen.
Am Sonntag hat es angefangen zu tauen und bis zum Nachmittag war auch alles weggetaut, uebrig war eine Schlammlandschaft. Lucas hatte am Sonntag seine Rede in der Kirche, hat ueber Propheten und deren Wirkung auf Gesellschaft gesprochen und hat sich auch recht gut geschlagen. Wir sind dann nach der einstuendigen Messe noch fuer Priesthood und Jugend geblieben, was im Grossen und Ganzen 3h gedauert hat.
Wir konnten am Sonntag dann jedoch nicht so viel machen und zwar weil es ja “Sonntag” war. Also haben wir die Zeit mit Verwandten der Familie, Spielen und Essen verbracht. Am Abend hat uns Laurn dann Bilder gezeigt, von der Zeit als er auf einer Mission in Berlin war. Das war 1963 und dementsprechend war es sehr interessant Berlin mal von dieser Sichtweise kennenzulernen. Obwohl diese Bilder so um die 45 Jahre alt sind, war die Qualitaet ueberraschend gut und wir haben mit Spass versucht rauszufinden, wo das Bild aufgenommen wurde.
Mein erster Schultag: Ich musste mich erstmal (wie danach auch jeden Morgen) im Hauptbuero anmelden und eine kleine Karte abholen, die ich mir an die Jacke/Kleidung kleben musste und die mich als Gast ausschilderte. Lucas’ Schule ist ca. 25 Autominuten von seinem Zuhause weg, hat 900Schueler und ist relativ alt, dennoch nicht “broeckelig”. Wir haben uns also zur ersten Klasse, Physik, aufgemacht, aber ungluecklicherweise sind in dieser Woche irgendwelche Tests staatsweit (so was wie MSA). Dadurch habe ich meine ersten 45minuten in dieser Schule erstmal mit Rumsitzen verbracht und zugesehen wie die anderen ihre Tests geschrieben haben. Auch Lucas musste den Test mitschreiben, obwohl der fuer ihn nicht zaehlt, weil er ja sowieso nicht in den Staaten studieren will. Naechste Klasse war dann Drama. Da habe ich dann gleich erstmal die ersten netten Leute kennengelernt und wir haetten viel Spass gehabt, wenn nicht die Lehrerin eine totalle Furie gewesen waere. Wir haben uns dann also in den schuleigenen Theaterraum begeben und ich habe versucht moeglichst die Aufmerksamkeit der Lehrerin (fuchsteufelswild) nicht auf mich zu lenken. Also war auch das eine relativ ruhige Stunde fuer mich;)
Danach hatten wir Chemie, was wahrscheinlich auf dem Level der siebten/achten Klasse in Deutschland ist und wir dadurch kaum wirklich arbeiten mussten. Die naechste Klasse war dagegen schon viel besser: Deutsch. Viele nette Leute, ein freundlich Lehrer und natuerlich die Tatsache, dass Lucas und ich uns nicht wirklich anstrengen muessen, machten die Stunde zu einer spassigen Zeit. Dennoch war ich ueberrascht wie gut einige Deutsch sprechen konnten und selbst der Lehrer hat nur den ein oder anderen Fehler gemacht.
Danach hatten wir dann endlich Lunch-Time und haben uns zur Cafeteria begeben, wo wir uns dann mit unterschiedlichsten Sachen eingedeckt haben. Nach dem Lunch ging es ab zum Weight-Lifting, eine Klasse, in der man nichts weiter macht als Gewichte hochzuheben. Das haben wir dann auch gemacht.
Danach hatten wir Calculus und da habe ich nun ueberhaupt nichts verstanden, weil die im Stoff ziemlich weit voraus sind und mir da die Grundlagen fehlen. Dann war die Schule auch schon vorbei und Lucas hatte Soccerpractice. Ich, gelangweilt, habe mich mit einem der Maedchen dort unterhalten und herausgefunden, dass sie im letzten Jahr auch eine deutsche Austauschschuelerin bei sich hatte und mehrere Male fuer mehrere Monate in Deutschland war. Wir sind dann also fuer die Zeit, die Lucas beim Practice war, zu ihr nach Hause gefahren und ich habe dort ihre sehr nette Eltern kennengelernt und sie hat mir zahlreiche Bilder von ihrer Zeit in Berlin gezeigt. Anschliessend sind wir dann wieder zur Schule gefahren, um Lucas abzuholen. Wir mussten dort erstmal etwas warten und dann haben wir ihn in den Umkleideraum gehen sehen, aber er kam nicht mehr raus. Wir haben also gewartet und gewartet und dann letztendlich bei ihm zu Hause angerufen und es stellte sich heraus, dass er einen anderen Ausgang gewaehlt hatte und schon laengst zu Hause war. Wir haben dann also ausgemacht, dass ich wieder zurueck zu Alli’s Place fahre und wir uns am Abend bei YoungLife (oertliche Jugendgruppe) treffen. Ich bin dann also wieder zurueck und habe die restlichen anderhalb Stunden damit verbracht, Erfahrungen ueber ein Auslandsjahr mit den Eltern auszutauschen und einen Happen zwischen die Zaehne zu kriegen. Am Abend bin ich dann also zusammen mit Lucas (Alli hat mich abgesetzt) zur YoungLife gegangen und ich war wirklich ueberrascht, weil die YouthLeaders da wirklich ne Menge Arbeit reingesteckt haben. Zuerst haben die mit einem “Wer hat die meisten T-shirts an?”-Contest angefangen und einer der Jungen hatte tatsaechlich 53 Shirts an!!! Und damit hat er dann einen 50$-Gutschein fuer das YouthCamp, zu dem sie jeden Sommer fahren, gewonnen. Dann gabs auch noch andere nette Sachen wie zum Beispiel: Karaoke, Stories (Herzprobleme der einen Sportlerin) und auch eine ganze Menge Singing.
Dann hatten die aber auch einen Film produziert. In dem das Medikament Telox beschrieben wurde. Telox soll gegen eine bestehende Texting-Krankheit helfen und Problemen mit Umstehenden und Gelenkschmerzen vorbeugen. Ich fand das Ganze eine wirklich gute Idee besonders, weil sie zuvor jeden gefragt hatten, ob er/sie heute schon getextet haette und bei einem Jahr eine knallblaue Pille hervorgeholt und dem Betroffenen in die Hand gedrueckt haben. Wir sind dann relativ spaet zurueckgekommen und ich bin dann auch gleich ziemlich muede ins Bett gefallen.
Der naechste Schultag war dann auch schon etwas interessanter. Wir haben in der ersten Stunde Deutschland im Fach “European History” vorgestellt und uns zahlreichen Fragen ausgesetzt. Anschliessend haben wir die Zeit in Physik, wo alle anderen ihren Test schreiben mussten (Lucas hatte ihn schon geschrieben), genutzt um ein bisschen “PocketTanks” zu spielen, ein sehr lustiges Spiel, das kostenfrei im Internet zum Download bereit steht. Auch sonst war der Schultag toll. Und am Abend sind wir dann mit Lucas’ Gastbruder Ken Bow-Shooting gegangen. Er hat professionelle Boegen und wir haben damit auch viel Spass gehabt, vor allem, weil es auch bewegliche Ziele gab:P Auch etliche Gegenstaende zwischen Schuetze und Ziel haben es nicht gerade einfach gemacht.
Am naechsten Tag war das langerwartete Basketballspiel der University of Wyoming-Cowgirls. Das Team ist wirklich gut und ist unter den letzten 4 (!!!) fuer die Champion-Entscheidung in den gesamten Staaten! Wenn sie das also gewinnen, sind sie im Finale um die Meisterschaft in den USA! Lucas und ich hatten beide Tickets (ich habe eins von Alli gekriegt), allerdings hatte er vorher noch Soccerpractice, sodass ich dann erstmal wieder mit Alli zu ihr gefahren bin und dann zusammen mit ihren Eltern (Alli hatte Ballett) zum Stadion gefahren bin, um Plaetze zu sichern. Dazu moechte ich noch sagen, dass der einzige Grund, weshalb dieses Spiel wieder in Wyoming ist (das Spiel davor war auch schon hier), ist die hohe Beteiligung/Anzahl der Zuschauer. Wyoimg hatte die letzten beiden Spiele Rekorde fuer Zuschauer aufgestellt (11.000 und mehr) und dadurch durften sie auch dieses Spiel heir im eigenen Stadion haben.
Das Spiel war zwischen den KansasState Wildcats und unserem Team, den Wyoming Cowgirls. Lucas und Alli sind dann auch etwas spaeter dazugekommen und haben sich dann zu uns und einigen Allis Verwandten gesetzt (wir hatten wirklich tolle Plaetze). Dieses Spiel war superwichtig und dementsprechend auch die Spannung der Spieler und Zuschauer.
Dann gings auch schon los.
Nach einer Minute wars dann auch shcon 0:5 fuer Kansas und wir haben uns die ersten Sorgen gemacht. Dann hat das Team aber bis zum Ende der ersten Halbzeit aufgeholt und der Halbzeitstand war 25:28 wieder fuer Kansas. Was ich an dieser Stelle noch bemerken moechte, ist, dass diese beiden Teams schon frueher in der Saison gegen einander gespielt hatte und Kansas durch einen “letzte-Sekunde-Wurf” von der Mittellinie gewonnen hatte!!Umso mehr Spannung lag in diesem Spiel.
Zweite Halbzeit fing gut an und wir haben praktisch die ganze Halbzeit ueber micht 8Punkten gefuehrt…Bis dann Kansas in unter 2minuten 10Punkte gemacht hatte. Und wir dann letztendlich in der letzten Minute mit 3Punkten zuruecklagen. Und dann, in den letzten 20sekunden, hat die polnische Spielerin (ja, das Team hat eine Polin und drei Australierinnen) mit einem 3-Punkte-Shot ausgeglichen. Also ging es dann in Overtime. Und um ehrlich zu sein, wie oft passiert denn das in Basketballàwirklich selten! Wir haben uns natuerlich gefreut und das Publikum (zum groessten Teil, praktisch die gesamte Uni war ausser Rand und Band). Dann wurde angekuendigt, dass diese Nacht der Rekord gesprengt wurde und zu dem Zeitpunkt sassen 12225 Leute in dem Stadion und das heisst es war praktisch fast ausverkauft (so um die 75Plaetze uebrig).
Also dann gings ab in Overtime und das Publikum war einfach nur am Schreien:P. In den extra 5 Minuten haben die beiden Teams absolut gleichwertig guten Basketball gespielt und unser Team war wieder in der letzten Minute mit zwei Punkten weg. Und dann haben wir zwei Free-Throws bekommen und trotz des unheimlichen Drucks hat die Spielerin diese beiden auch gemacht und am Ende war es dann ein erneuter Punktegleichstand! Und das passiert nun wirklich nie in Basketball;)
Nach einigen Minuten gings dann also in die zweite Overtime und die Zuschauer waren wirklich nicht zu halten. Sobald das andere Team am Ball war, gab es solch starke Rufe, dass die Spieler die Anweisung der Trainer sicherlich nicht verstehen konnten. Und sobald Wyoming im Ballbesitzt war, brach eine Welle aus Zurufen, Pfiffen und Klatschen aus. Das andere Team war jedoch ungluecklicherweise sehr aggressiv und mit mehrere Punkten voraus, bis eine unserer schwarzen Basketballspielerinnen mal aufgedreht hat (es ist eine wissenschaftliche Tatsache, dass jeder Schwarze ein toller Baskettballspieler ist;). Sie hat uns dann wieder nah an die andere Mannschaft rangebracht und uns mit einem SUPER Lay-Up in eine UNGLAUBLICHE dritte geschossen. Und das passiert nun wirklich nie in Basketball. Und jeder im Stadion war sich bewusst, dass wie auch immer das Spiel endet, es war ein grossartiges Match und so ein Spiel wird man nie mehr im Leben (schon gar nicht live) sehen!!!
Ein anderes Problem der beiden Teams waren Fouls; schliesslich spielte man ja jetzt schon fuer 50minuten und einige der Spieler waren schon lange fouled-out (5fouls) und konnten nicht mehr spielen. So auch unsere polnische Spielerin, der von einem roehrenden, applaudierenden Publikum lautstark gedankt wurde.
Dann fing aber auch schon die dritte Overtime an und obwohl niemand mehr dran geglaubt hatte, fuehrten wir mit 2 Punkten Unterschied (hier moechte ich nochmal schnell erwaehnen, dass Laramie auf 7200Fuss Hoehe ist und andere Teams von geringeren Hoehen, so wie Kansas, von Zeit zu Zeit Probleme haben gut Luft zu kriegen). Beide Teams waren also relative mueder, vor allem deshalb, weil mehrere der Spieler bereits fuer 50minuten auf dem Feld waren! In den letzten zwei Minuten haben wir mit einem 3-Punkte-Shot dann aber auch die letzte Hoffnung aus dem anderen Team geschossen und fuer die verbleibende Zeit hat das aggressive Spiel der anderen Mannschaft fuer so viele free-throws gesorgt, dass wir letztendlcih mit 10Punkten GEWONNEN haben. Sie sind also nun im FINALE fuer die Meisterschaft in den gesamtem USA!!!
Das war nun wirklich das beste Basketballspiel, was jeder in diesem Stadion wahrscheinlich jemals live sehen wird (und ich war dabei:P). Dementsprechend war das Publikum nun auch nicht mehr zu halten und die Lautstaerke war so laut, dass man nicht mal mehr mit der Person neben sich vernuenftig sprechen konnte!
Auch Cheerleaders und die Dance-Gruppe hatten so viele Backflips und Figuren zu formen, dass sie sich am Ende einfach nur erschoepft in die Arme fielen…
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